Arnsberg 26.01.2017: Gesunde Mitarbeiter – Starker Betrieb: Fehlzeiten senken – Motivation und Produktivität steigern

Veranstaltung für mehr Gesundheit im Betrieb im bbz Arnsberg

(31.01.2017). Knapp 150 Betriebsinhaber und Führungskräfte von Handwerksbetrieben aus Südwestfalen und der Region Hellweg-Lippe folgten vergangenen Donnerstag (26. Januar) der Einladung der Krankenkasse IKK classic sowie verschiedener Handwerksorganisationen und kamen ins Berufsbildungszentrum (bbz) der Handwerkskammer Südwestfalen. Dort fand die Veranstaltung „Gesunde Mitarbeiter – starker Betrieb“ statt. Referenten aus Politik und Sport diskutierten zusammen mit Betriebsinhabern über die Gesundheit im Betrieb.

Die Gesundheitssituation in Deutschland

Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer vom Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen eröffnete als Referent die Runde. Schäffer fühlte sich bei dem Thema betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) sofort angesprochen und begann seinen Vortrag mit den Worten „Ausfallzeiten gefährden den Erfolg von Unternehmen“. Anschaulich gab er Einblicke in die Gesundheitssituation und den drohenden Fachkräftemangel in deutschen Betrieben: Im Jahr 2010 haben deutsche Arbeitnehmer 410 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage produziert, 2014 waren es bereits 543 Millionen Tage – 80 Millionen allein wegen psychischer Erkrankungen. „Fragt man Arbeitnehmer nach den Ursachen hierfür, nennen sie hohen Zeitdruck, schlechte Arbeitsorganisation und Multitasking“, so der Staatssekretär. Und die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird sich weiter verschärfen: Für die brummende Konjunktur in Deutschland gibt es zu wenig Fachkräfte. Experten rechnen damit, dass im Jahr 2020 zwischen 270.000 und 360.000 Fachkräfte fehlen werden, im Jahr 2030 bereits 640.000. 170.000 Menschen gehen jährlich in vorzeitigen Ruhestand, 73.000 von ihnen wegen psychischer Erkrankungen. Wenn man bedenkt, dass es erst mit 67 Jahren Rente gibt, ist es Zeit, jetzt etwas zu tun, um die Gesundheit der Mitarbeiter lange zu erhalten. Und noch eine Zahl ist wichtig: „Das Durchschnittsalter deutscher Frührentner beträgt 51 Jahre. Damit ist man für den Fußball zu alt, aber auf dem Arbeitsmarkt im besten Alter“, beendete Staatssekretär Schäffer seinen Vortrag und leitete so auf den nächsten Sprecher Hans-Joachim Watzke über.

Gesunde Impulse aus dem Spitzensport

Denn Fußball war genau das richtige Stichwort: Die Zuhörer erhielten nun Impulse aus dem Spitzensport. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke – Sauerländer durch und durch und selbst Unternehmer – war als prominenter Gast geladen. Er sprach über den wirtschaftlichen und fußballerischen Erfolg des BVB 09, von Marke, Image und Bodenständigkeit. Er sagte aber auch, dass man die Gesundheit der Mitarbeiter ernst nehmen und beim Gesundheitsmanagement in Betrieben Mitte und Maß finden muss.  Für eher schädlich hält er das veränderte Kommunikationsverhalten der Menschen. Er selbst findet ein persönliches Gespräch immer noch sinnvoller als die Reizüberflutung durch Smartphone und Internet. Auf die Frage, wie er persönlich mit dem andauernden Druck umgeht, sagte er, für ihn sei das Wichtigste, seinen Job gern und nicht mit Widerwillen zu erledigen.

Erfahrungen aus der Praxis

Anschließend kamen Georg Verfuß (Bauunternehmer aus Hemer), Christian Will (Autohaus Will aus Iserlohn) und Christian Schirm (Objekteinrichtungen aus Brilon) auf die Bühne. Die drei Unternehmensinhaber haben mit der IKK classic bereits ein erfolgreiches betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt und gaben ihre Erfahrungen an die Teilnehmer weiter. Georg Verfuß war erfreut über die große Teilnahme an der anonymen Mitarbeiterbefragung zur Beurteilung der Gesundheitssituation in seinem Betrieb. Er führte im Anschluss zahlreiche Mitarbeiter-Gespräche durch und findet, dass die Akzeptanz, BGM im Betrieb durchzuführen, gestiegen ist. Georg Verfuß riet, die Sorgen der Mitarbeiter ernst zu nehmen – innerhalb und außerhalb des Betriebes – und die Unternehmenskultur zu überdenken. Bei Autohaus Will fing alles mit einer Obstschale im Betrieb an. „Es sind nicht die großen, sondern die kleinen Dinge, die zählen“, sagte Christian Will. Der Betrieb widmete sich beispielsweise den Themen Lärm und Gerüche. Christian Will sagte: „Wer denkt, die Investition in die Gesundheit der Mitarbeiter bringe kurzfristig Rendite, liegt falsch. BGM ist langfristig angelegt.“ Der Unternehmer plädiert dafür, nicht nur den Kunden, sondern auch die Gesundheit der Mitarbeiter in den Mittelpunkt zu stellen. Christian Schirm ist in Sachen BGM schon ein alter Hase. Nichtraucherschutz, körperliche Belastungen (Rücken) bis hin zu richtig gravierenden Änderungen in der Arbeitsorganisation hat die Firma bereits umgesetzt und die Mitarbeiter wenden sich jedes Jahr einem neuen Thema zu. „Förderlich ist da sicherlich auch der Bonus, den die IKK classic an den Betrieb, aber auch an die Mitarbeiter, ausschüttet“, meint er. Christian Schirm ermutigte andere Betriebe, einfach anzufangen. Erst mit kleineren Dingen – die großen kommen dann von ganz alleine.

Unterstützer der Veranstaltung

Die Veranstaltung der IKK classic wurde von der Handwerkskammer Südwestfalen, den Kreishandwerkerschaften Hochsauerlandkreis, Märkischer Kreis, Westfalen-Süd sowie Hellweg-Lippe, dem Westdeutschen Handwerkskammertag, dem Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen, der Deutschen Rentenversicherung Westfalen sowie Tischler NRW unterstützt.

Mehr Informationen zum BGM mit der IKK classic unter: www.ikk-classic.de/bgm